Andachten aus Bibel AnDenken

Die Reihe "Bibel AnDenken" erscheint in gemeinsamer Herausgeberschaft der aej mit der Konferenz der Landesjugendpfarrerinnen und Landesjugendpfarrer in der Bundesrepublik Deutschland. Sie bietet Andachtsentwürfe, Materialien für Gruppenstunden und Freizeiten, Lieder, Informationen zur Jahreslosung und Monatssprüchen.

Umschlag BA 2020
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February 2021
Freut euch darüber, dass eure Namen im Himmel verzeichnet sind! Lk 10,20

Andacht Februar 2021

Namen sind nicht Schall und Rauch
Lila
Alles ist neu hier und ungewohnt. Auch wenn Mama mir schon viel erzählt hat, damit ich mir alles besser vorstellen kann. Die Frau, die mich begrüßt hat, heißt Frau Anton und ist sehr nett. Sie hat mich getröstet, weil ich mich etwas allein gefühlt habe. Mama ist weg! »Ich komme nach dem Mittagessen wieder und hole dich ab«, hat Mama gesagt und dass ich hier bestimmt Freunde finden werde. Frau Anton nimmt meine Hand und geht mit mir in einen Raum, in dem eine Menge Kinder spielen. Es gibt ganz viel Spielzeug hier. Eigentlich ist das schön, aber … Was soll ich jetzt machen? Manche Kinder schauen mich neugierig an, andere spielen einfach weiter. »Schaut mal, das ist Emma. Sie gehört ab heute in unsere Gruppe.« Die meisten gucken kurz hoch und spielen dann weiter. Einige sagen »Hallo Emma«, bevor sie weitermachen.

Aber ein Mädchen steht auf, kommt zu mir und sagt, »Hallo, ich bin Liliana. Magst Du mit mir malen?« Ich gehe mit und wir malen gemeinsam ein ganz buntes Bild. Sie erzählt ganz viel von sich. Wo sie herkommt, was sie gerne isst, was ihre Eltern arbeiten. Zwischendurch fragt sie mich auch viele Dinge, und so reden und malen wir. Jetzt fühle ich mich nicht mehr so allein. Besonders als sie mich fragt: »Willst Du meine Freundin sein?« Und dann will ich sie ansprechen, und ich bekomme ihren Namen nicht über die Lippen: »Lilit…, Lilia…, Lila…, Lila, ja Lila. Dein Name ist mir zu schwer. Darf ich Lila sagen?« »Klar«, sagt sie, »das ist doch ein lustiger Spitzname. Ich habe noch keinen und weil Du jetzt meine Freundin bist, darfst du mich ab jetzt Lila nennen.« Gerade malen wir große Blütenblätter einer Blume lila aus.

Emma
Sie sitzt in ihrem Zimmer und starrt aus dem Fenster. Tausend Gedanken schwirren in ihr. Alles scheint Kopf zu stehen. Nichts ist mehr wie vorher. Vor ihr auf dem Schreibtisch liegt ein Blatt mit vielen Worten. Eigentlich ist es nur ein Wort. Immer dasselbe Wort steht hier unterschiedlich groß, mal in Druckschrift, mal in Schreibschrift, mal kunstvoll verziert, mal gerade und nüchtern. Den Stift hält sie noch in der Hand. Und wieder setzt sie ihn an und schreibt noch einmal dieses eine Wort »Tim«.

So heißt er: Tim. Sie kann ihn nicht vergessen. Immer wieder muss sie seinen Namen schreiben. Er ist so toll, so liebevoll, so cool, so einzigartig. Ja, sie hat sich in ihn verliebt und er sich in sie. Es ist das erste Mal und alles steht Kopf und es kribbelt in ihrem Bauch. Schmetterlinge. Und immer wieder hat sie seinen Namen im Kopf: Tim. Dieser Name klingt einfach wunderbar! Wahnsinn, dass sie sich gefunden haben. Ein Lächeln macht sich breit auf ihrem Gesicht. Wieder senkt sich der Stift auf das Blatt, und sie schreibt »Tim« und malt ein Herz um seinen Namen.

Meine Sonne
Er liegt schon lange hier im Bett, allein im Zimmer. »Damit Sie ihre Ruhe haben«, haben die Ärzte gesagt. Er muss sich erholen, ist noch ans Bett gefesselt. Das war ein großer Einschnitt. Er war doch immer so aktiv gewesen, und dann kam ganz plötzlich der Infarkt. Glücklicherweise hat sie ihn gleich gefunden im Garten, und der Rettungsdienst konnte ihn schnell versorgen. Freilich, er ist nicht mehr der Jüngste und trotzdem: Es ist schlimm, so ausgebremst zu werden. Das ist nicht fair. Er wollte doch seinen Ruhestand noch genießen mit ihr zusammen noch so viele schöne Dinge erleben. Und nun liegt er hier und soll sich erholen. Allein, ans Bett gefesselt. Dass draußen trübes Wetter ist, trägt nicht gerade zur Aufhellung seiner Stimmung bei. Er hängt seinen grauen Gedanken nach und hört beinahe nicht, dass es an der Zimmertür klopft, ganz und leise. »Ja?«, fragt er und dann öffnet sich die Tür uns SIE betritt das Zimmer. Seine große Liebe, seine Frau, mit der er 48 Jahre verheiratet ist. Sie lächelt und tritt an sein Bett.

Plötzlich verfliegen seine grauen Gedanken, und seine Lippen formen sich zu einem Lächeln. Sie küsst ihn liebevoll auf die Wange und lächelt auch. Und nun leuchten seine Augen, und er spricht das aus, was er in den vielen Jahren, die sie sich kennen, schon so oft zu ihr gesagt und noch viel öfter gedacht hat und was er jetzt in diesem Moment einmal mehr so sehr in seinem Herzen fühlt: »Meine Sonne!«. Heute passt es so gut. Sie erleuchtet gerade seine Gedanken und seinen Tag. Liebevoll streicht sie mit ihrer Hand über seinen Arm und flüstert ihm zu: »Ich bin hier, mein Kuschelbär.«

Im Himmel geschrieben
Namen, Spitznamen, Kosenamen – wir verwenden sie alle in unserem Alltag immer wieder. Häufig sind sie ein Zeichen großer Vertrautheit, Zuneigung und Liebe. Jemanden, den ich bei seinem Namen rufen kann oder dem ich vielleicht sogar einen Kosenamen gebe, zu dem habe ich eine besondere Beziehung.

Gott hat zu uns auch eine besondere Beziehung, die oftmals verglichen wird mit der Beziehung eines Vaters/einer Mutter zu seinem/ihrem Kind. Manchmal wird diese besondere Beziehung in der Bibel aber auch damit beschrieben, dass Gott uns Menschen beim Namen kennt oder nennt. So auch bei Lukas im 10. Kapitel, Vers 20: Freut euch aber, dass eure Namen im Himmel geschrieben sind.

Unsere Namen stehen im Himmel, bei Gott. Er kennt uns, ganz persönlich, so, wie wir sind. Das ist für mich sehr tröstlich. Denn selbst wenn alles über mir zusammenbricht, wenn meine Welt sich eintrübt und grau ist, wenn ich das Gefühl bekomme, alles ist gegen mich, dann hilft mir, wenn ich weiß: Gott kennt mich. Er kann mich beim Namen rufen. Und das tut er, egal, ob ich unsicher in einer neuen Situation bin, egal ob ich vor Liebe platzen möchte oder vor Kummer vergehen. Immer ist er an meiner Seite und flüstert mir meinen Namen ins Ohr und sagt mir damit: »Ich bin für dich da.«
Amen

Matthias Kopischke
Landesjugendpfarrer für die Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und Familien in der Evangelischen Landeskirche Anhalts

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